Bund Naturschutz ruft dazu auf, am 7.9. in der Nacht kein Licht einzuschalten
TODESFALLE LICHT – Bund Naturschutz bittet Kommunen und Bevölkerung um Unterstützung der „Earth NIGHT“
Wenigstens eine dunkle Nacht im Jahr – dafür setzt sich die Initiative „Earth Night“ ein. Am 7. September, wenn es Neumond gibt, ruft die Initiative dazu auf, ab 22 Uhr das Licht zu reduzieren oder abzuschalten. Der Bund Naturschutz bittet die Kommunen und die Bevölkerung, sich daran zu beteiligen.
Lichtverschmutzung sei auch für den Arten-Rückgang mitverantwortlich. Wenn es Nacht werde, kämpften viele Insekten ums Überleben. Straßenlampen, Autoscheinwerfer, Leuchtreklame, Flutlichter auf Parkplätzen, Tankstellen und Sportanlagen, Strahler auf Baustellen, Gewerbeflächen und Baudenkmäler könnten für nachtaktive Insekten zu Todesfallen werden, denn sie führten zum Zusammenbruch ihres angeborenen Orientierungsvermögens. Um das große Insektensterben aufzuhalten, wirbt der Bund Naturschutz zusammen mit den „Paten der Nacht“, den Initiatoren dieser bundesweiten Aktion, für ein Umdenken bei künstlichen Lichtquellen.
„Von den in Deutschland vorkommenden Insektenarten sind etwa 70 Prozent nachtaktiv. Viele davon sind bereits in ihrem Bestand gefährdet“, sagt Peter Kasperczyk, Kreisgruppenvorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz in Rosenheim. Für ihn steht fest: „Es ist höchste Zeit, um auf Beleuchtungsalternativen umzusteigen, die Beleuchtungsdauer zu verkürzen oder in bestimmten Fällen ganz auf nächtliche Beleuchtung zu verzichten.“ Außerdem stellt Der Bund Naturschutz fest: „Leider haben noch nicht alle Kommunen die Vorgaben des Volksbegehrens Artenvielfalt umgesetzt, dass Bauten der öffentlichen Hand zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung nur noch in Ausnahmefällen beleuchtet werden dürfen. „Wir fordern alle Kommunen auf, das umzusetzen und unnötige Beleuchtung, wo immer es geht, dauerhaft abzuschalten.
Das Problem vieler nachtaktiver Insektensei nämlich, dass sie noch bei unglaublich geringen Lichtstärken sehen könnten und sich vom Licht angezogen fühlten. Nachtaktive Schmetterlinge könnten beispielsweise auch den ultravioletten Teil des Lichtspektrums wahrnehmen. Sie reagierten am stärksten auf Licht, das der Mensch gerade noch als violett wahrnehme, aber auch auf kurzwellige UV-Strahlen, die für uns schon unsichtbar seien. „Viele Lampen, die neben dem sichtbaren auch dieses UV-Licht ausstrahlen, ziehen deshalb Nachtfalter und andere Nachtinsekten besonders stark an und locken sie in riesigen Scharen aus ihren eigentlichen Lebensräumen heraus“, erklärt Kasperczyk.
Das Fatale daran sei: Hätten Insekten eine künstliche Lichtquelle entdeckt, umflögen sie sie bis zur völligen Erschöpfung oder sie kollidierten mit der Lampe, würden angesengt und verletzten sich dabei tödlich. Wer vor Erschöpfung zusammengebrochen sei, falle oft seinen Fressfeinden zum Opfer. Nachtjäger wie Spitzmäuse, Igel, Kröten, Laufkäfer und Spinnen hätten dann mit den erschöpften Insekten leichtes Spiel. Bei Tagesanbruch räumten dann die Vögel unter den noch immer erstarrt verharrenden Insekten, die sich an Hauswänden ausruhten oder am Boden lägen, auf. „Ganze Insektenpopulationen können so in der Stadt in kurzer Zeit zusammenbrechen. Das Massensterben der zum Licht gelockten Tiere kann nicht wettgemacht werden. Selbst scheinbar naturnahe Lebensräume in der Stadt verarmen so.“
Deshalb sei es ein Ziel des Volksbegehrens Artenvielfalt gewesen, die Lichtbelastung zu reduzieren. Seit 1. August 2019 gebe es neue Vorschriften zur Beleuchtung von Gebäuden und im Außenbereich. Diese seien jedoch noch nicht überall in Bayern umgesetzt worden.
Dabei könnte man dem Insektensterben mit einigen Maßnahmen Einhalt gebieten: Nicht jede nächtliche Beleuchtung im öffentlichen Raum sei wirklich notwendig.
Im Rahmen der „Earth Night“ am 7. September soll hierfür ein weiterer Schritt gewagt werden.